Abtreibung

Mit aller Vorsicht soll ein Thema kurz zur Sprache kommen, mit dem wir in der heutigen Gesellschaft immer wieder konfrontiert werden: Abtreibung, auch Schwangerschaftsabbruch genannt. Bei dem zweiten Begriff wird allerdings nicht deutlich, dass ein Mensch – ein wirklich lebendiges Wesen, das Gott geschaffen hat – durch einen willentlichen Eingriff des Menschen sterben muss. Das ist Mord an einem Menschen.

Das Thema Abtreibung wollen wir unter den folgenden Gesichtspunkten betrachten:

  1. Was ist Abtreibung in den Augen Gottes? Was ist von dem Begriff zu halten?
  2. Was kann einen dazu führen abzutreiben?
  3. Alternativen zur Abtreibung
  4. Was kann man machen, wenn man abgetrieben hat?
  5. Was können wir als Hilfe solchen gegenüber tun, die abgetrieben haben?

Was ist Abtreibung in den Augen Gottes? Was ist von dem Begriff zu halten?

Was die Bibel sagt

Den Begriff „Abtreibung“ oder „abtreiben“ sucht man in der Bibel vergeblich. Heißt das, wie ich es einmal hörte, dass Gott sich deshalb dazu nicht geäußert hat, weil es in biblischen Zeit gang und gäbe war abzutreiben? Tatsächlich lassen geschichtliche Dokumente wie das Corpus Hippocraticum darauf schließen, dass Abtreibung ein in der Geschichte bekanntes Phänomen ist.

Natürlich können wir uns als Christen damit nicht zufrieden geben. Wir müssen uns fragen, was in Gottes Augen Abtreibung eigentlich bedeutet. Dazu wollen wir kurz darüber nachdenken, wann Gott eigentlich von einem Menschen spricht.

David sagt einmal: „Du [Gott] wobst mich im Leib meiner Mutter“ (Ps 139,13). Also ist der Mensch schon im Mutterleib das Werk Gottes – nicht erst, wenn er geboren wird. Das wird unterstrichen durch die etwas geheimnisvollen Worte Davids: „Mein Gebein war nicht vor dir verborgen, als ich gemacht wurde im Geheimen, gewirkt wie ein Stickwerk in den untersten Örtern der Erde. Meinen Keim sahen deine Augen, und in dein Buch waren sie alle eingeschrieben, die Tage, die entworfen wurden, als nicht einer von ihnen war“ (Ps 139,15.16).

Das Embryo – ein Meisterwerk Gottes

David sagt damit nichts anderes als: Mein Körper – er spricht schon in diesem Zusammenhang von seiner Persönlichkeit – war nicht vor Gott verborgen, als er, David, für Menschen im Geheimen, wo kein Mensch mit dem Auge dabei ist, gemacht wurde. Dieses Wirken ist kein Zufallsprodukt, sondern ein meisterhaftes Kunstwerk – ein Stickwerk – in den untersten Örtern der Erde. Das ist sehr interessant ausgedrückt. Denn tatsächlich handelt es sich zunächst um eine Art Knäuel, ungeformte Masse, wie die Fußnote der Elberfelder Edition CSV erklärt. Damit ist vermutlich nichts anderes als der Embryo gemeint, der daraus entsteht, dass eine Samenzelle und eine Eizelle ihre Selbstständigkeit „aufgibt“, also stirbt. Das sind die untersten Örter der Erde.

Gott hat das alle schon im Keim gesehen – für Ihn ist das nicht nichts, sondern der Keim für ein Meisterwerk, das Er geschaffen hat. Schon bei diesem Zeitpunkt ist der neue Mensch in sein Buch eingeschrieben. Dazu muss er nicht warten, bis er geboren wird – schon zu diesem Zeitpunkt ist die Ewigkeit in einen Menschen hineingelegt (vgl. Pred 3,11). Und diese Tage wurden entworfen, als diese Tage noch nicht bestanden. Denn Gott hat längst im vorhinein sein Wunderwerk beschlossen – auch die Erschaffung jedes einzelnen Menschen. So groß ist Gott!

Die Begrifflichkeit und die Bibel

Wenn nun ein solcher Mensch, der ja schon alle Anlagen besitzt, um später als Baby auf die Welt zu kommen, „abgetrieben“ wird, dann ist das in der Sprache der Bibel nichts anderes als Töten bzw. Morden eines Menschen. Es gibt hier einen interessanten Vergleichsvers in 2. Mose 21,22.23: „Und wenn Männer sich zanken und stoßen eine schwangere Frau so, dass sie gebiert, und es geschieht kein Schaden, so soll er gewiss mit Geld gestraft werden … Wenn aber Schaden geschieht, so sollst du geben Leben um Leben.“

Das bedeutet nichts anderes, als dass Gott Blutschuld auf demjenigen sah, der durch eine brutale Handlung die Geburt bei einer schwangeren Frau auslöste, wodurch (zum Beispiel aufgrund des frühen Stadiums) das Kind starb. Hier ist noch nicht einmal davon auszugehen, dass die Frau extra gestoßen wurde. Wahrscheinlich war dies eine Nebenfolge des Kampfes der beiden Männer.

Bei der Abtreibung dagegen wird ja bewusst die Schwangerschaft „abgebrochen“, das Kind wird vertrieben, weggetrieben. Es ist also bewusster Totschlag (in den Augen Gottes) und damit Mord. Erinnern wir uns, was mit dem Herrn Jesus gemacht werden sollte, als Er Kind war (Mt 2,16).

In diesem Sinn ist das Wort Abtreibung nichts anderes als ein Euphemismus (eine Beschönigung) dessen, was hier passiert. Es ist wahr: Man darf dies nach deutschem Recht so allgemein und pauschal nicht öffentlich vertreten. Immerhin ist der Schwangerschaftsabbruch bis auf Ausnahmen im Allgemeinen rechtswidrig.

Es war mir wichtig, vor einer weiteren Behandlung dieses Themas zu versuchen, die Sichtweise Gottes vorzustellen. Selbst wenn eine Frau, wie wir sehen werden, in sehr harter Weise betroffen sein kann, ist es immer gut, zunächst den Blick von oben einzunehmen. Auch als Seelsorger ist man erst dann wirklich frei, auf die konkrete Situation einzugehen.

Was kann einen dazu führen abzutreiben?

Was kann dazu führen abzutreiben?

Wir haben schon gesehen, dass die Bibel nicht konkret von der Abtreibung spricht. Die Bibel ist einfach kein Lehrbuch, das jede Sünde einzeln ausmalt. Gott sei Dank! Was wir aber auch in der Bibel finden ist, dass Menschen in Notsituationen kommen können. Genau das hat oft mit der Lage von Frauen zu tun, die abtreiben. Zu Beginn will ich eine Reihe von Gründen für Abtreibungen aufzählen:

  1. Leider habe ich vergessen zu verhüten. Ein Kind passt jetzt nicht in meine Zeit- und Karriereplanung.
  2. Mein Bauch gehört mir. Ich selbst darf entscheiden, ob und wann ich ein Kind zur Welt bringe oder nicht.
  3. Konnte ich ahnen, was aus diesem one-night-stand hervorkommt?
  4. Ich gehe noch zur Schule und bin zu jung, als dass ich Verantwortung für ein Kind übernehmen könnte.
  5. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mit diesem Partner mein Leben auf Dauer verbringen will. Daher will ich lieber noch warten und sicher werden.
  6. Mir ist bescheinigt worden, dass das Kind schwer behindert ist.
  7. Wir haben schon 10 Kinder. Mehr schaff ich einfach nicht.
  8. Ich bin vergewaltigt worden.
  9. Das Leben der Mutter steht auf dem Spiel
  10. Ich will das Kind nicht!

Wahrscheinlich könnte man noch 100 weitere Gründe anführen, die genannt werden. Darum geht es nicht. Es gibt manche Gründe, die fadenscheiniger Natur sind. Es gibt solche, die mit der Freiheit zu tun haben, die eine Frau haben möchte. Es gibt Gründe, die mit der Selbstverwirklichung von Frauen zu tun haben. Und es gibt enorme Gewissensentscheidungen für Frauen. Man darf nicht per se unterstellen, dass es sich Frauen nicht schwer gemacht hätten mit der Entscheidung. Und tatsächlich gibt es enorme Notsituationen für Frauen!

Wir wollen uns mit den einzelnen Gründen im Folgenden beschäftigen und uns in dieser Folge den ersten Punkt vornehmen:

Leider habe ich vergessen zu verhüten. Ein Kind passt jetzt nicht in meine Zeit- und Karriereplanung.

Wir haben uns in der Vergangenheit mit dem Thema Familienplanung beschäftigt. Eines ist klar: Gott hat uns Ehepaaren den Auftrag gegeben: „Mehrt euch und füllt die Erde“ (1. Mo 9,1). Die eigene Karriere und Selbstverwirklichung kann wohl kaum ein Grund sein, dafür eine anderes Leben zu töten. Gott ist Schöpfer des Lebens. Er hat das Recht über Leben und Tod. Wir Menschen nie! Übrigens auch nicht über das eigene Leben!

Natürlich kann es ein innerer Schock für die Frau (und den Mann) sein, wenn man auf einmal völlig unerwartet erkennt: Hier liegt eine Schwangerschaft vor. Aber rechtfertigt dies das Umbringen eines Menschen (auch wenn dieser noch nicht zu hören und sehen gewesen ist)? Natürlich nicht. Es gehört zu unserem menschlichen Dasein im Unterschied zu Tieren, dass wir in der Lage sind, Verantwortung zu übernehmen, und zwar auch dann, wenn es unerwartet dazu kommen mag. Trauen wir Gott noch zu, dass Er besser als wir weiß, wann etwas gut für uns ist ?

Mein Bauch gehört mir. Ich selbst darf entscheiden, ob und wann ich ein Kind zur Welt bringe oder nicht.

Ich gehe jetzt einmal von einem Christen als Leser dieser Zeilen aus. Für diesen gilt: „Wisst ihr nicht, dass eure Leiber Glieder Christi sind? … Wisst ihr nicht, dass euer Leib der Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt, den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euer selbst seid? Denn ihr seid um einen Preis erkauft worden; verherrlicht nun Gott in eurem Leib“ (1. Kor 6,15.19.20). Der Körper gehört uns nicht mehr selbst – auch der einer Frau ihr nicht mehr! Sie ist von Gott für einen Preis erkauft worden und gehört daher ganz Gott.

Auch Menschen, die nicht an den Herrn Jesus glauben, gehört ihr Körper nicht. Denn er gehört ihrem Schöpfer, der sie erkauft hat (vgl. 2. Pet 2,1). Wir können einfach nicht mit unserem Leib machen, was wir wollen. Können wohl schon, dürfen aber nicht. Denn wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir mit unserem Körper machen! Dieser ist noch nicht einmal unser Eigentum, sondern gehört dem, der für uns gestorben ist. Also ist es selbstverständlich, dass wir Ihn fragen, was zu seiner Ehre ist. Kann es zur Ehre Gottes sein, wenn ich sein Meisterwerk, wie wir bei Folge I gesehen haben, töte und umbringe? Das, wovon uns Paulus sagt, dass Christus es für sich selbst, zu seiner eigenen Freude geschaffen hat (vgl. Kol 1,16)?

An dieser Stelle möchte ich darüber hinaus noch darauf verweisen, dass selbst unter der Annahme, dass mein Bauch mir gehört – jedenfalls habe ich dafür die Verantwortung zu tragen – ein Kind, das sich in meinem Bauch befindet, noch lange nicht mir gehört. Es ist „mir“ für eine gewisse Zeit anvertraut worden. Danach verlässt es diesen Schutzbereich, den Gott vorgesehen hat, damit ein Baby lebensfähig zur Welt kommen kann.

Abgesehen davon wissen wir alle genau, dass wir im natürlichen Bereich nie selbst entscheiden können, ob wir ein Kind zur Welt bringen. Das hängt von so vielen Faktoren ab, die wir gar nicht selbst steuern können. Auf einmal ist Leben da – und wir wissen nicht, wie. Auf einmal ist das Leben erloschen, wir sind enttäuscht, frustriert, und haben keine Erklärung dafür, warum das Leben, das eben noch da war, nicht mehr vorhanden ist. Es gibt einen Schöpfer, in dessen Händen alles ist. Er ist allmächtig. Wir dürfen stauend zusehen!

Konnte ich ahnen, was aus diesem one-night-stand hervorkommt?

Wir haben bereits früher gesehen, dass Gott das intime Zusammensein von Mann und Frau in den Schutzbereich der Ehe gegeben hat (vgl. z.B. 1. Mo 2,24). Dass sich damit ein sogenannter one-night-stand nicht vereinbaren lässt, muss nicht weiter betont werden.

Dieses Beispiel ist symptomatisch. Oftmals resultieren Abtreibungen aus Situationen, die man hätte vermeiden können, wenn man sich frühzeitig ernsthaft damit auseinandergesetzt hätte, was eigentlich Liebe zwischen Mann und Frau in Gottes Augen ist und wo sie sich abspielen kann. Wie im sonstigen Leben bringen wir uns selbst in Schwierigkeiten, wenn wir aufhören, an der Hand Gottes zu gehen. Dann müssen wir auf einmal mit Problemen umgehen, die wir unter normalen Umständen gar nicht gehabt hätten.

Dass hier die Eltern einen Großteil an Verantwortung tragen, ist augenscheinlich. Wenn ich mich mehr um Beruf und Weiterkommen kümmere als um meine Kinder, brauche ich mich nicht zu wundern, dass hier Dinge passieren, die nicht meinen Wertvollstellungen entsprechen. Wir sollen unsere Kinder „aufziehen“ in der Zucht und Ermahnung des Herrn. Dieses Wort „aufziehen“ ist dasselbe Wort wie in Vers 29 „nähren“. Wenn ich jemandem die richtige Nahrung gebe, habe ich Interesse an ihm und nehme mir auch Zeit für ihn. Dann weiß ich auch, was für eine Nahrung er braucht. Zugleich kenne ich seinen inneren Zustand. Wenn meine Kinder jedoch an mir vorbeileben, weil ich an ihnen vorbeilebe, brauche ich mich über sogenannte Gaus nicht mehr zu wundern!

Ich gehe noch zur Schule und bin zu jung, als dass ich Verantwortung für ein Kind übernehmen könnte.

Der vorherige Punkte hat mit diesem manches zu tun. Was hat ein jugendliches Kind, das noch zur Schule geht, mit einem Partner anderen Geschlechts im Bett zu suchen? 1. Mose 2,24 und die Wiederholung in Epheser 5,31 spricht nicht von Kindern, die ihre Eltern verlassen, sondern von erwachsenen Menschen, die geistig, seelisch und körperlich in der Lage sind, eine neue Familie zu gründen. Wir haben immer gesehen, dass der körperliche Bereich des Zusammenseins nicht am Anfang sondern am Ende einer Beziehungskette steht.

Ob wir das unseren Kindern auch einmal in einem vertrauensvollen und liebevollen Gespräch weitergegeben haben? Das, was wir an guter Nahrung früh an unsere Kinder weitergeben, bleibt in ihren Herzen oft lange vorhanden. „Erziehe den Knaben seinem Weg entsprechend; er wird nicht davon weichen, auch wenn er alt wird““(Spr 22,6).

Wenn wir als Eltern hier versagen, werden wir auch für unsere Kinder in einer solch misslichen Lage Verantwortung mit übernehmen müssen. Es hilft ja nichts, dem Kind dann zu sagen: Du hast Dich selbst in dieses Chaos hineingeritten! Jetzt schau, wie Du wieder raus kommst. Selbst wenn es wahr sein mag, dass wir unser Kind vielleicht sogar vielfach gewarnt haben: Waren wir vielleicht in den Erziehungsjahren äußerst hart, nicht ansprechbar, äußerst lasch, nie zu Hause, nie zu einem vertrauensvollen Gespräch in der Lage, immer abweisend, immer witzig aber nie ernsthaft, waren die Rollen bei uns zu Hause verdreht, usw.?

Der Fehler, die Sünde des „Kindes“ bleibt als Verantwortung dessen bestehen, der oder die sich hier versündigt hat. Keine Frage. Aber wir können uns leicht aus unserer Verantwortung herausstehlen, obwohl diese Verantwortung vorhanden sein mag! Es geht nicht darum, dass sich Eltern hier falsche Vorwürfe machen müssten. Erwachsene Kinder haben selbst Verantwortung für ihr Tun! Und gerade Mütter werden geradezu depressiv, wenn sie sehen, in welches Elend sich ihre Kinder hineinreiten können. Eine ehrliche Bestandsaufnahme ist nötig.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich mit diesem Partner mein Leben auf Dauer verbringen will. Daher will ich lieber noch warten und sicher werden.

Dann stellt sich die Frage: Warum hast Du Dir diesen überhaupt für Deine Bettgemeinschaft ausgesucht? In Dein Bett gehört Dein Ehepartner, sonst niemand. 1. Mose 2,24 und 1. Korinther 7,9 habe ich immer wieder angeführt. Wenn man nicht sicher ist, ob ein Gegenüber der Partner auf Dauer ist, dass Gott „ja“ sagt zu einer Eheschließung, sollte ich mich mit ihm auch überhaupt nicht weiter abgeben. Dann ist Gebet gefragt.

Wenn Du ihn oder sie heiraten kannst, dann tu das. Dann gibt es auch kein Problem mit einer Abtreibung. Denn dann kannst Du von Gott voller Dankbarkeit jedes Kind annehmen. Auf einem guten Fundament lässt sich gut bauen.

Mir ist bescheinigt worden, dass das Kind schwer behindert ist.

Damit kommen wir zu Entscheidungen, die für Eltern und besonders für die betroffene Frau besonders hart sind. Wer wollte leugnen, dass die Aussicht auf ein (schwer) behindertes Kind eine enorme psychische Belastung ist für diejenige, die das Kind in sich trägt?! Zum einen darf man an dieser Stelle aber auch darauf hinweisen, dass sich solche Prognosen nicht nur in Einzelfällen als falsch herausgestellt haben.

Die folgende Geschichte dürften manchen bekannt sein: Ein Professor erzählt seinen Studenten folgende Geschichte: „Eine Mutter erwartet ein Kind. Sie ist Alkoholikerin, der Vater auch, Eltern leiden an Syphilis. Die Geburten bis jetzt waren Totgeburten oder die Kinder waren behindert, usw. Schlussendlich fragt der Professor das Auditorium, ob sie in diesem Fall für eine Abtreibung wären. Die Studenten beraten und beschließen einstimmig: „Das Kind hat kein lebenswertes Leben vor sich, der Fall ist beispielhaft für die Möglichkeit einer Abtreibung.“ Professor: „Ich gratuliere Ihnen, Sie haben gerade Beethoven umgebracht.“

Dennoch bleibt wahr, dass in vielen Fällen wirklich ein behindertes Kind geboren wird. Abgesehen davon, dass auch dieses ein Geschenk von Gott ist, kann das teilweise zu lebenslangen Betreuungsaufgaben für Eltern führen. Aber ist die Not damit und die Trauer, die unbedingt damit verbunden ist, ein Grund, ein Kind umzubringen? Oftmals hat man neben der großen Arbeit viel Freude gerade an diesen Kindern. Aber selbst wenn nicht: „Wir sollten das Gute von Gott annehmen, und das Böse sollten wir nicht auch annehmen?“ (Hiob 2,10). Als Nicht-Betroffener kann man sich bei diesem Thema natürlich sehr leicht äußern! Darum geht es nicht. Wir wollen einfach versuchen, die Gedanken Gottes zu verstehen.

Wir haben schon 10 Kinder. Mehr schaff ich einfach nicht.

Das ist tatsächlich auch ein Problem. Wenn Mütter (und Väter) eine große Familie haben und sich nicht mehr in der Lage fühlen, ihrer Kinderschar Herr zu werden, wird die Not groß. Man fühlt sich nicht mehr in der Lage, jedem Kind die persönliche Zuwendung zu geben, die es braucht. Man fühlt sich psychisch nicht mehr in der Lage, die Kinder in Schach zu halten. Man fühlt sich einfach überfordert.

Hier ist eine besondere Rücksichtnahme des Mannes notwendig: „Ihr Männer, wohnt bei ihnen [den Frauen] nach Erkenntnis als bei einem schwächeren Gefäß, dem weiblichen“ (1. Pet 3,7). Für den Mann geht es nicht darum, alles mitzunehmen, was ihm Spaß macht. Liebe bedeutet, die Freude und Sehnsucht der Frau vor Herzen zu haben. Das gilt auch und gerade im intimen Zusammensein von Mann und Frau. Wenn man das beachtet und der Herr schenkt dennoch ein weiteres Kind, dann darf man das auch – trotz aller Sorgen, die man Ihm im Gebet bringen wird – als besonderes Geschenk von Ihm annehmen.

Wenn die Frau erlebt, dass ihr Mann überhaupt keine Rücksicht auf sie und ihre Not und Umstände nimmt, so bleibt ihr nichts anderes übrig, als die Sache dem Herrn anzuvertrauen. Mehr kann sie nicht machen. Ihr Mann trägt die Verantwortung für das, was er tut und treibt. Es wird ihre Last in dem Sinn nicht erleichtern, als sie sich um das Kind kümmern muss – oftmals mehr als der Ehemann. Aber sie weiß, dass sie diese Last bei ihrem himmlischen Vater lassen kann. Er wird ihr helfen, denn Er ist ein barmherziger Gott! Die züchtigende Hand wird den Vater begleiten, der rücksichtslos über die Empfindungen und Nöte der Ehefrau hinweggeht.

Ich bin vergewaltigt worden.

Dieser Fall gehört zu dem schlimmsten, was man sich vorstellen kann. Tatsächlich ist dieser Grund für Abtreibungen äußerst selten. Aber dass eine Vergewaltigung mit anschließendem Empfängnis eine gewaltige Not darstellt, braucht wohl nicht weiter erklärt zu werden. Man wird in einer solchen Situation als Ehepaar (oder, wenn man noch nicht verheiratet war, in der engsten Familie) intensiv um Hilfe von oben bitten.

Wir kennen den Fall der Vergewaltigung auch aus der Schrift. Im Alten Testament ist dann die Rede von „schwächen“ oder „entehren“. Allerdings ist mir kein Fall bekannt, wo es ausdrücklich heißt, dass aus dieser Vergewaltigung auch ein Kind hervorgegangen ist. Man muss sehr vorsichtig sein, hier über die Notsituation, die unverschuldet auf eine Frau kommt, in irgendeiner Weise zu urteilen. Dennoch gebe ich auch hier zu bedenken, dass allein Gott das Recht über Leben und Tod eines Menschen besitzt, selbst wenn dieses Leben „zu Unrecht“ und in gesetzloser Weise in einem Menschen entstanden ist. Ist es wirklich richtig, der Sünde der Vergewaltigung die Sünde des Tötens gegenüberzustellen? ABER: Wir haben kein Recht, über jemanden zu urteilen, der in einer solchen Zwangslage ist, die wir selbst nicht kennen. Denken wir daran, dass man mit einem Balken im eigenen Auge den Splitter beim anderen zu beurteilen sucht. Es gibt kaum eine schwierigere Abwägung als in dem hier angenommenen fall.

In einem solchen Fall ist sehr viel Einfühlungsvermögen innerhalb der betroffenen Familie und der örtlichen Versammlung (Gemeinde) nötig. Das Kind, das entstanden ist, kann am wenigsten für die Zwangslage. Und wie soll man einer Frau helfen, die soeben das furchtbare Erlebnis einer Vergewaltigung erlebt hat und dann auch noch verkraften muss, dass sie dadurch schwanger geworden ist? Auf der anderen Seite: Was für ein Elend für einen Menschen, wenn er ungewollt und sogar gehasst zur Welt kommen muss. Man kann nur zu Gott rufen, damit man in der richtigen Weise solche einer vergewaltigten Person zur Hilfe kommen kann.

Das Leben der Mutter steht auf dem Spiel

Dann kennen wir noch den Fall, der nicht im eigentlichen Sinn eine Frage der Abtreibung ist, dass das Leben der Mutter aufgrund medizinischer Komplikationen auf dem Spiel steht. Rechtlich wird das Leben der einen Person gegenüber der anderen abgewogen. Diese Gewissensentscheidung ist für Betroffene brutal.

Als die Medizin noch nicht so weit war, passierte regelmäßig das, was Rahel bei der Geburt von Benjamin erleben musste: Die Mutter starb. Da in solchen Fällen in aller Regel heute beide Leben auf dem Spiel stehen, ist bei aller Vorsicht in der Argumentation wenigstens das Leben der Mutter zu retten, wenn es eben möglich ist. Es handelt sich hierbei um eine Entscheidung für das Leben und nicht gegen ein anderes Leben. Wer sich das ständig einredet, wird mit dieser Belastung vermutlich nie klar kommen. Gott ist ein Gott aller Gnade (1. Pet 5,10)!

Ich will das Kind nicht!

Durch verschiedene Umstände kann es dazu kommen, dass eine werdende Mutter ihr Kind innerlich komplett abstößt. Es entsteht ein regelrechter Hass dem unbekannten Wesen gegenüber. Das ist ein gravierendes Problem, weil die kleinen Kinder eine solche Ablehnung viel stärker empfinden, als wir das meinen. Die Lösung ist aber auch hier nicht, das Kind „abzustoßen“. Die Lösung besteht darin, eine neue Beziehung zum Kind aufzubauen, die positiver Natur ist. Dazu bedarf es externer, fachlicher, medizinischer und vermutlich psychiatrischer Unterstützung.

Alternativen zur Abtreibung

Sind wir sensibel genug um zu helfen?

Damit stellt sich die Grundfrage, inwieweit wir überhaupt merken, dass eine junge oder nicht mehr so ganz junge Frau in eine Notsituation kommt, in der sie der Hilfe anderer bedarf. Dann zeigt sich, wie praktisch unserer Bruderliebe ist und inwiefern der eine Leib, der in den Augen Gottes eine untrennbare Einheit darstellt, auch praktischerweise so in sich verbunden ist, dass das eine Glied leidet, wenn ein anderes leidet (vgl. 1. Kor 12,26).

Man mag nun fragen: Wenn nicht Abtreibung, was denn dann?

Kinder – ein Geschenk Gottes

Die erste Antwort ist recht „trivial“. Und doch ist sie sehr entscheidend: das Kind aus der Hand Gottes annehmen. Ich habe mich jedes Mal gefreut, wenn der Frauenarzt meiner Frau gesagt hat: „Kinder sind ein Geschenk Gottes.“ Nicht über jedes Geschenk kann man sich sofort zu 100% freuen. Manchmal bedarf es einer gewissen Zeit, um sich wirklich auf ein Kind freuen zu können. Wer jedoch Mütter erlebt hat, die ihr Kind in den Armen halten, sieht (fast) immer großes Glück in ihren Augen. Auch bei solchen Frauen, die zunächst mehrfach schlucken mussten, um ein solches Geschenk wirklich anzunehmen.

Gott hat eine Verheißung für die Kinder der Gläubigen gegeben: „In der Furcht des Herrn ist ein starkes Vertrauen, und seine [dessen, der den Herrn fürchtet] Kinder haben einen Zuflucht“ (Spr 14,26). Gott steht Kindern als Zufluchtsstätte zur Verfügung. Gerade Kindern, die in schwierigen Verhältnissen aufwachsen. Und auch ihren Müttern, die in Not sind. Waren es nicht die Mütter, die mit ihren Kindern zu Jesus kamen? Er hat sie nicht von sich gewiesen, sondern an- und aufgenommen.

Wir dürfen auch daran denken, wie Lea ihre Kinder voller Dankbarkeit angenommen hat. Sie hat sicher nicht in leichten Umständen gelebt. Natürlich ist auch wahr, dass sie ihre Kinder als Waffe gegen Rahel eingesetzt hat, was nicht gut war. Und doch sehen wir bei ihr, wie sie jedes Kind als ein Geschenk von oben angenommen hat.

Wir dürfen wissen, dass wir mit Aufgaben wachsen. Das hat Gott so in die menschliche Natur gelegt, dass eine zusätzliche Aufgabe, und wenn sie noch so schwer ist, oftmals dazu führt, dass man auf einmal in der Lage ist, Dinge zu bewältigen, die man sich vorher nicht zugetraut hat. Natürlich ist auch wahr, dass dies zur Grundlage hat, dass man ein Leben mit dem Herrn Jesus führt und Ihm alles anvertraut, Ihn um Hilfe bittet. Aber wollen wir das nicht alle tun?

Kinder abgeben

Vielleicht ist die Notsituation derart, dass die Frau sich nicht in der Lage sieht, ein Kind aufzuziehen. Die Ursache mag darin liegen, dass sie noch nicht erwachsen ist, dass sie nicht verheiratet ist oder dass sie schwer krank ist – physisch und/oder psychisch. An dieser Stelle geht es nicht um die Frage, wie die ersten beiden Punkte (Alter, Ehestand) im Blick auf Sünde, auf kirchliche Zucht, etc. zu behandeln ist. Darüber haben wir in verschiedener Hinsicht bereits nachgedacht. Mir geht es darum, einen Weg für Christen aufzuzeigen, die innerlich drauf und dran sind, ein Kind abzutreiben, weil sie sich außerstande sehen, dieses aufzuziehen.

In aller Regel gibt es noch lebende Eltern oder Geschwister. Gerade, wenn eine junge Frau noch minderjährig ist, sollte sie vor irgendwelchen anderen Schritten mit ihren Eltern sprechen. Wir haben gesehen, dass Abtreibung nichts anderes als das Töten eines Kindes ist. Auch wenn es sicher mit großer Scham verbunden ist, eine Schwangerschaft in diesem Alter zu offenbaren, ist das der bei weitem bessere Weg, als eine zweite und äußerst schwerwiegende Sünde zu begehen, indem man abtreibt.

Vielleicht ist die Angst groß, dass die Eltern scharf und hart reagieren. Die Gefahr dazu ist gegeben. Und wir, die wir Eltern sind, wollen uns sagen lassen, dass wir es sind, die eine Vertrauensbasis für unsere Kinder schaffen müssen. Aber selbst wenn Du die Reaktion befürchtest, werden Dir Deine Eltern helfen. Und wenn Du davor zu viel Angst hast, dann geh zu jemandem aus der örtlichen Versammlung (Gemeinde, Kirche), zu dem Du Vertrauen hast. Es gibt Wege, das Kind zu „retten“ und einen Weg zu gehen, der wieder in die Freiheit (von Sünden) führt.

Oftmals können Eltern oder Geschwister jedenfalls für eine gewisse Zeit eine Unterstützung bieten, so dass eine junge Frau ihre Schulzeit fertig machen kann und in die äußere Lage versetzt wird, sich um ihr Kind zu kümmern. Dass das alles nicht optimal ist, braucht nicht weiter erläutert zu werden.

Auch eine unverheiratete (aber erwachsene) Frau wird vor große Herausforderungen gestellt. Aber mit Hilfe der Eltern, der Geschwister oder auch hilfsbereiter Glaubensgeschwister ist immer ein Weg möglich. Aber – und das möchte ich an dieser Stelle doch ergänzen – einen Weg zurück in die Freude und die Gemeinschaft mit dem Herrn kann es nur geben, wenn Du auch ein Bekenntnis, ein echtes Bekenntnis Deinem Herrn gegenüber (und den Geschwistern, mit denen Du bislang verbunden warst) ablegst. „Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er unsere Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit“ (1. Joh 1,9). Dazu ist aber ein rückhaltloses und aufrichtiges Bekenntnis notwendig.

Wenn es um kranke Personen geht, darf man nicht übersehen, dass eine dauerhafte Lösung notwendig ist. Das ist in jedem Fall schwieriger, weil Eltern in der Regel nicht mehr so jung sind, dass sie ein Kind ohne weiteres erziehen können. Aber auch hier kann der Herr Gnade schenken. Vielleicht ist hier auch ein Aufteilen der Verantwortung im täglichen Leben möglich, wo Eltern, leibliche und geistliche Geschwister zusammen mithelfen.

Freigeben zur Adoption

Ein weiterer Weg, wenn es wirklich unmöglich ist, dass Eltern oder Geschwister mithelfen, ist die Freigabe zur Adoption. Das ist die schlechtere Alternative, weil hier eher wahrscheinlich ist, dass das Kind in ungläubige Verhältnisse oder sogar in ein Heim kommt. Aber bevor man ein solches Kind umbringt, sollte man lieber diesen Weg gehen.

Denn Berichte betroffener Frauen, die abgetrieben haben, zeigen sehr oft, dass sie ihr Leben lang von dieser Tat mit furchtbaren Träumen begleitet werden. Sie werden oft über Jahre nicht glücklich und sind nicht in der Lage, ihre Tat zu verarbeiten. Es gibt immer Vergebung, wenn man aufrichtig bekennt. Aber mit den Folgen des eigenen Handelns muss man manchmal ein Leben lang zurechtkommen. Das gilt natürlich auch für eine unzüchtige Handlung, die zu einem Kind geführt hat. Diese Folgen kann man eben nicht ohne weiteres aus dem Leben löschen. Allein das sollte (junge) Menschen dazu bringen, vorsichtig zu sein im Umgang mit dem anderen Geschlecht. Es sollte nicht dazu führen, dass man Experte in Verhütungsmethoden wird, sondern dass man sich rein und gottesfürchtig erhält.

Wir wollen uns in diesem Zusammenhang auch daran erinnern, dass der Herr Jesus gesagt hat: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen (Joh 6,37). Das gilt für jeden Menschen, ob gläubig oder nicht, ob in Sünde gefallen oder nicht, der aufrichtig und mit offenen Armen zu dem Herrn Jesus kommt.

Vertrauensverhältnis suchen

Leider finden wir in der Bibel nicht viele Beispielen, bei denen wir ein wirklich gutes Verhältnis zwischen Kindern und Eltern, zwischen Töchtern und ihren Müttern gezeigt bekommen. Vielleicht bestand ein solches zwischen Bathseba und ihrem Sohn Salomo. Ruth und Noomi hatten, auch wenn Ruth nicht die leibliche Tochter war, ein sehr gutes Verhältnis miteinander. Auch zwischen Rebekka und Jakob scheint ein gutes (allerdings nicht im moralischen Sinn gutes) Verhältnis bestanden zu haben. Aber das heißt nicht, dass nicht viele Töchter in biblischen Zeiten gute Beziehungen zu ihren Müttern gehabt haben können.

Wie auch immer – es ist bedenkenswert, ob man nicht heute versuchen kann, von beiden Seiten aus ein solches Verhältnis zu „gestalten“, dass Töchter in schwierigen Zeiten Zugang zu ihren Müttern haben. Dann wird man gemeinsam auch einen Ausweg finden aus der schwierigen Situation, ein Kind trotz großer Notsituation nicht abzutreiben. Das muss immer Ziel einer Beschäftigung mit solchen Geschwistern sein.

Was kann man machen, wenn man abgetrieben hat?

Zunächst einmal ist es in aller Regel so, dass sich junge Frauen, die abgetrieben haben, todunglücklich fühlen. Und das nicht nur am Anfang, sondern immer wieder. Viele Betroffene berichten davon, dass sie über Jahre oder sogar Jahrzehnte mit schlimmen Albträumen zu tun hatten.

Das heißt aber nicht, dass man nicht von solchen Traumata loskommen könnte. Ich habe versucht, deutlich zu machen, dass Abtreibung NIE eine erwägenswerte Alternative ist. Bestimmt nicht, wenn man im Folgenden lesen kann, dass es eine Befreiung von den typischen Folgen der Abtreibung wie Selbstvorwürfe, Selbstmordgedanken und Albträume gibt. Niemandem wünschen wir so etwas!

Schritt 1: Einsicht

Zunächst einmal muss man einsehen, dass dieser Schritt verkehrt war. Eine Sünde, sogar eine Tötung von Leben. Gott nimmt dieses Verhalten sehr ernst. „Den Feigen aber und Ungläubigen … und Mördern und Hurern … – ihr Teil ist in dem See, der mit Feuer und Schwefel brennt, welches der zweite Tod ist“ (Off 21,8). Es handelt sich also nicht um ein kleines Versehen, das nicht so tragisch ist, sondern um eine Sünde, die einen Menschen in die Hölle bringt.

Gehen alle Mörder verloren? Nein, Gott sei Dank! Paulus war auch ein Mörder, der Anteil hatte an dem Mord an Stephanus. Aber er hat sich bekehrt und seine Sünde bekannt. So gibt es bei Gott keinen Automatismus. Aber Er erwartet, dass ein Mensch einsichtig ist. Viele werden durch die Selbstvorwürfe dazu geführt, dass ihnen klar ist, dass sie gegen dieses ungeborene Baby und auch gegen Gott gesündigt haben. Diese Einsicht ist ein wichtiger erster Schritt.

Schritt 2: Bekenntnis

Der zweite Schritt ist das Bekenntnis dieser Schuld. Man kann es dem kleinen Wesen, das sich bereits im Paradies befindet, nicht mehr bekennen. Aber man kann es Gott bekennen, dem Herrn Jesus. Und das solle man auch tun. „Meine Kinder, ich schreibe euch dies, damit ihr nicht sündigt; und wenn jemand gesündigt hat – wir haben einen Sachwalter bei dem Vater, Jesus Christus, den Gerechten. Und er ist die Sühnung für unsere Sünden,“ (1. Joh 2,1.2).

Ohne ein Bekenntnis und Demütigung, Buße, gibt es keine innere und äußere Wiederherstellung. Dieses Bekenntnis führt auch dazu, dass man sich diese Verfehlung von dem Herzen reden kann, und zwar zu jemandem, der wirklich „kompetent“ im besten Sinn des Wortes ist, um innere Befreiung zu schenken: Jesus Christus, Gott selbst.

Falls ein Mann an dieser Tat der Abtreibung beteiligt war – es sind ja oft diejenigen, die das Baby gezeugt haben, die die junge Frau bedrängen oder so bedrohen, diesen Schritt zu gehen – dann sollte er in gleicher Weise dieses Bekenntnis vor dem Herrn ablegen. Seine Schuld an der Sache ist nicht geringer!

Schritt 3: Bekenntnis vor Menschen

Damit ist noch nicht alles getan. Diese Sünde der Abtreibung ist so gravierend, dass man unbedingt einen Gläubigen einbeziehen sollte. Wahrscheinlich ist es am besten, ein Ehepaar zu besuchen, zu dem man Vertrauen hat. Ihnen sollte man die Not und Sünde vorlegen. Es müssen Gläubige sein, die schweigen können und zugleich Einsicht in die Gedanken Gottes (das Wort Gottes) haben. Zugleich sollten sie ein Hirten-Herz besitzen und nicht in kalter Weise über andere urteilen.

Man kann nicht von vornherein sagen, was diese Geschwister mit der ihnen anvertrauten Sache machen müssen. Wenn die (jungen) Geschwister, die betroffen sind, am Brotbrechen teilnehmen, kann es – je nach Situation – notwendig sein, dass im Sinn von 1. Korinther 5 von der örtlichen Versammlung gehandelt wird. Dazu muss aber jeder Einzelfall genau angeschaut werden.

Darüber hinaus macht 1. Korinther 5 sehr deutlich, dass das Entscheidende für die Gemeinschaftsfrage am Ort nicht ist, ob jemand am Brotbrechen teilnimmt, sondern ob jemand „ein Bruder genannt wird“ (1. Kor 5,11). Wenn das der Fall ist, muss man entsprechend nach Matthäus 18,17 bzw. 1. Korinther 5,11 gehandelt werden.

Mit anderen Worten: Man kann solch eine Person, auch wenn sie selbst Buße getan und vor Gott ein Bekenntnis abgelegt hat, nicht einfach mit offenen Armen aufnehmen, so lange die Dinge mit der örtlichen Versammlung nicht geklärt sind.

Schritt 4: Seelsorgerliche Begleitung

Es ist unbedingt notwendig, dass es nicht bei einem Bekenntnis bleibt. In solch einer Situation braucht eine junge Frau auch längere Begleitung durch eine Schwester oder ein Ehepaar, um wieder neuen Mut zu bekommen. Denn die Begleitumstände wie Albträume und Selbstvorwürfe, oft verbunden mit krank fühlen oder krank sein, werden in aller Regel eine ganze Weile bleiben.

Da ist es gut, wenn man jemanden hat, bei dem man sich aussprechen kann und auch auf der Bibel gegründete Ermutigungen erhält. Natürlich ist gerade bei diesen Gesprächen darauf zu achten, dass sie vertraulich gehalten werden. Hier ist es wichtig, dass auch der betroffene Partner mit dabei ist – jedenfalls teilweise. Weil die Dinge ja in der Regel nicht allein von der jungen Frau entschieden werden.

Schritt 5: Eine neue Perspektive

Das Leben geht weiter, auch für eine durch Abtreibung beeinträchtigte Frau. Sie muss für ihr Leben und, wenn sie verheiratet ist, für ihre Ehe wieder eine neue Perspektive erhalten. Das geht nur mit der Bibel und unter Gebet. Oftmals hängt ja eine solche, falsche Entscheidung zur Abtreibung damit zusammen, dass man im praktischen Leben nicht mit dem Herrn Jesus gelebt hat. Man hat oft das Bibellesen und auch das Gebet vernachlässigt.

Mit diesem allen muss man wieder neu anfangen. Wenn man dazu der Unterstützung bedarf, wird das schon zuvor angesprochene Ehepaar auch bei diesem Punkt sicher Hilfestellungen geben können. Das ist wichtig. Denn, wenn der Herr es schenkt, wird eine solche junge Frau ja wieder schwanger werden können. Und dann soll sie in der Lage sein, auf der Grundlage des Wortes Gottes ein freudiges „ja“ zu diesem Geschenk zu sagen, selbst wenn es schwierige Umstände geben mag, in denen sich die Frau befindet.

Was können wir als Hilfe solchen gegenüber tun, die abgetrieben haben?

Jetzt kommen wir also zu Punkt 5. Was können wir tun, um solchen zu helfen, die – durch welche Situation auch immer – in eine Notsituation gekommen sind und abgetrieben haben. Zuerst schauen wir uns einige Voraussetzungen an, um diesen Dienst tun zu können.

Die richtige Haltung I: Demut

Zunächst einmal geht es darum, dass man in der richtigen Haltung jemandem gegenübertritt, der gefallen ist. Man kann es von oben herab tun. Oder man kann es in einer haltung der Demut tun, in dem Bewusstsein, dass man selbst nicht besser ist und dasselbe sündige Fleisch besitzt und in gleicher Weise fallen kann. Wir nehmen uns Paulus zum Vorbild: „dem Herrn dienend mit aller Demut und mit Tränen“ (Apg 20,19).

Die richtige Haltung II: Sanftmut

Wir sollten uns auch bewusst sein, dass wir jemanden nur dann gewinnen können, wenn wir nicht in Schärfe, sondern in Sanftmut mit ihm handeln. Natürlich: Sünde ist Sünde. Aber unser Wunsch ist es, eine (junge) Frau und den dazugehörenden Mann zu gewinnen: „Bringt einen solchen wieder zurecht im Geist der Sanftmut, wobei du auf dich selbst siehst, dass nicht auch du versucht werdest“ (Gal 6,1).

Die richtige Verfassung I: Geistlich sein

Natürlich wird niemand von sich behaupten, er sei geistlich. Dennoch ist ein solcher Hirtendienst der Seelsorge nur dann möglich, wenn man sich selbst nicht in Gefahr bringt und vor einem moralischen Fall steht. „Brüder, wenn auch ein Mensch von einem Fehltritt übereilt würde, so bringt ihr, die Geistlichen, einen solchen wieder zurecht im Geist der Sanftmut“ (Gal 6,1). Wir wollen uns fragen, ob wir dazu von dem Herrn überhaupt benutzt werden könnten.

Die richtige Verfassung II: Vorbild sein

Nur dann, wenn man ein Leben führt, das in Übereinstimmung mit der Botschaft steht, die man weitergeben möchte, wird man „angehört“ werden. Timotheus wird ermahnt: „Niemand verachte deine Jugend, sondern sei ein Vorbild der Gläubigen in Wort, in Wandel, in Liebe, in Glauben, in Reinheit“ (1. Tim 4,12).

Grundlage der Hilfe: das Wort Gottes

Es geht bei der Hilfe nicht darum, menschliche Überlegungen anzustellen. Natürlich ist es notwendig, das Wort Gottes auf die konkrete Situation anzuwenden. Die Bibel gibt uns nur Grundsätze an. Und wir haben schon gesehen, dass wir zu dem konkreten Thema Abtreibung keine Hinweise in der Schrift finden. Dennoch müssen wir uns von den Prinzipien des Wortes Gottes leiten lassen, was Sünde, die Behandlung von Sünde etc. betrifft. „Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes vollkommen sei, zu jedem guten Werk völlig geschickt.

Handeln in Barmherzigkeit

Wer mit einer betroffenen Person spricht, sollte dies in Barmherzigkeit tun, in Sanftmut, nicht in Schärfe und im Verdammen der Person. Natürlich muss Sünde auch Sünde genannt werden. Es erscheint jedoch zweifelhaft, mit diesem Thema in ein solches Gespräch hineinzugehen. Wir werden die Betroffenen nur gewinnen, wenn wir Barmherzigkeit üben. Bedenken wir auch: „Denn das Gericht wird ohne Barmherzigkeit sein gegen den, der keine Barmherzigkeit geübt hat. Die Barmherzigkeit rühmt sich gegen das Gericht“ (Jak 2,13).

Handeln mit Gebet

Es ist schlicht unvorstellbar, dass man einen solchen Dienst ohne Gebet tut. Man wird also vorher den Herrn um seine Hilfe und Führung bitten. Und während des Dienstes und Gesprächs wird man immer wieder zu Gott beten, wie Nehemia das damals getan hat, als er von seinem Herrscher angesprochen worden ist. „Da betete ich zu dem Gott des Himmels; und ich sprach zu dem König …“ (Neh 2,4). Und im Anschluss an ein Gespräch wird man wieder ins Gebet gehen. Schließlich wird man auch zu Beginn und am Ende eines Gespräch wieder das Gebet suchen. Ich fürchte, uns ist das Gebet soweit abhanden gekommen, dass wir uns oft nicht mehr trauen, Gespräche mit einem Gebet zu beginnen oder zu beenden. Oder wie handelst Du bei einem „ganz normalen Besuch“?

Handeln in Klarheit und Ehrlichkeit

Wir sollten mit Sanftmut und Barmherzigkeit in solch ein Gespräch gehen. Wir sollten aber auch klar und deutlich reden, nicht hart, aber ehrlich. Wir sollten nicht um den heißen Brei herumreden, sondern die Dinge, die zu tun sind, mit Namen nennen. Als Paulus sich an die Galater oder Korinther wandte, sprach er in Liebe, aber sehr klar. Er hatte den Wunsch, dass sich das Verhalten dieser Gläubigen änderte. Daher musste er die Dinge auch mit Namen nennen. Gott sei Dank! Von den Galatern wissen wir, dass sich vieles geändert hat. Im Unterschied zu Paulus sind wir keine Apostel – das wollen wir immer bedenken. Aber wir sollten die Dinge doch klar benennen, in Liebe und Demut. Nur so können wir Betroffenen wirklich eine Hilfe sein.

Hirtendienst

In einem Hirtendienst sollten wir, wenn wir mit einer Schwester zu tun haben, die – aus welchen Gründen auch immer – abgetrieben hat, auf folgende Schritte hinarbeiten:

1. Bekenntnis ablegen

Zunächst einmal geht es darum zu erkennen, dass man gesündigt hat. Gegen Gott, und gegen ein Geschöpf, dass dadurch sterben musste. Man kann diese Tat nicht mehr rückgängig machen, man kann diese Tat jedoch bekennen. Dadurch wird sie nicht ungeschehen, aber sie kann von Gott vergeben werden. Das Kind, an dem man sich vergangen hat, kann nicht mehr vergeben, denn es lebt nicht mehr. Aber Gott tut das für sich und gewissermaßen stellvertretend für dieses ungeborene Kind, das sich nicht einmal wehren konnte.

„Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit … Meine Kinder, ich schreibe euch dies, damit ihr nicht sündigt; und wenn jemand gesündigt hat – wir haben einen Sachwalter bei dem Vater, Jesus Christus, den Gerechten. Und er ist die Sühnung für unsere Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die ganze Welt“ (1. Joh 1,9; 2,1.2).

Darauf sollten wir hinwirken, dass nach und nach eine Sündenerkenntnis vorhanden ist, um diese Sünde zu bekennen. Ohne dieses Bekenntnis kann es keine Wiederherstellung und Freude im Herrn geben.

2. Gott vertrauen schenken, dass Er uns immer noch liebt.

Ein solches Sündenbekenntnis aus dem tiefsten Herzen kommt nicht von jetzt auf gleich. Denn die Tat der Abtreibung setzt voraus, dass man in keinem guten geistlichen Zustand ist. Mit anderen Worten: Man sieht das ganze auch nicht als Sünde an – sonst hätte man es ja nicht begangen. Wiederherstellung dauert auch seine Zeit. Wenn ich an die Begebenheit mit der jungen roten Kuh in 4. Mose 19 erinnern darf. Da hatte sich ein Israelit verunreinigt und muss am dritten und am siebten Tag das Reinigungswasser über sich sprengen lassen. Das ist ein Hinweis darauf, dass Wiederherstellung ihre Zeit braucht.

Der dritte Tag spricht davon, dass man sich bewusst wird, dass die Sünde im eigenen Leben den Tod des Herrn nötig machte. Das muss uns in unsere Herzen schmerzen und zutiefst unglücklich machen. Wegen meiner Sünde musste Er sterben! Aber dann kommt auch der siebte Tag. Und am siebten Tag lernen wir, dass das Werk des Herrn Jesus so vollkommen ist, dass es auch diese Sünde von mir, der ich erlöst bin, gesühnt hat. Er hat jede meiner Sünden getragen. Ich lerne, dass Er mich, obwohl ich Ihn als Gläubiger verunehrt habe, immer noch liebt.

Genau das ist die Botschaft, die wir solchen Betroffenen weitergeben wollen. Sie müssen wieder das Bewusstsein erlangen, dass ihre Tag – so schlimm sie auch war, und sie ist schlimm – die Liebe des Herrn zu ihnen nicht schmälern kann. Im Gegenteil – seine Liebe ist unveränderlich tief und wird kaum stärker empfunden als auf dem Weg der Wiederherstellung.

3. Neue Lebensperspektive: Gehorsam und Gemeinschaft

Nachdem wir jemandem zur Sündenerkenntnis und zum -bekenntnis weiterhelfen konnten und sie (und ihr betroffener Partner) auch zu dem Bewusstsein gefunden haben, dass der Herr Jesus sie immer noch liebt, geht es darum, eine neue Lebensperspektive zu schaffen. Es gibt ein Leben nach einer schlimmen Sünde und einem tiefen Fall.

David hat das erlebt, nachdem er Unzucht und Ehebruch mit Bathseba begangen hatte. Und auch für Petrus gab es nach seiner dreimaligen Verleugnung des Herrn ein „neues“ Leben. Der Dienst eines Menschen ist durch Versagen nicht (notwendigerweise) dauerhaft zerstört. David und Petrus sind dafür Beispiele, Johannes-Markus (vgl. Apg 13,5.13; 2. Tim 4,11) ist dafür auch ein schöner Hinweis.

Eine neue Lebensperspektive wird nicht dadurch geschaffen, dass man sich Gesetze auferlegt, wie zum Beispiel: „Das wird mir nie wieder passieren!“ Natürlich soll eine Abtreibung nicht wiederholt werden. Und natürlich sollen wir einen entsprechenden Herzensentschluss fassen. Aber niemand wird das schaffen, der sich einfach vorhält: Das darf nicht sein – also mache ich es nicht.

Nein, wir müssen solche Gläubige ermutigen, einen Herzensentschluss wie Daniel zu fassen, dem Herrn mit ganzem Herzen nachzufolgen. Sie werden das nicht in eigener Kraft schaffen, wie wir selbst das auch nicht packen. Aber wenn sie sich auf den Herrn Jesus stützen und seine Kraft von Gott erbitten, werden sie Überwinder werden. Dazu muss die Bereitschaft gefördert werden, dem Herrn gehorsam zu sein.

Zugleich wird das nur gelingen in einem Leben der Gemeinschaft. Gemeinschaft mit Gott durch tägliches Beten und Lesen, durch gepflegte Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus. Aber auch Gemeinschaft mit den Gläubigen ist nötig. Man darf sich dieser Gemeinschaft nicht entziehen wollen – Isolation ist immer eine Warnlampe, wenn es um unseren geistlichen Zustand geht. Daher sollten wir die gegenseitige Gemeinschaft solcher Betroffener mit uns und anderen Geschwistern sehr fördern.

4. Arzt und Spezialisten zu Hilfe rufen

Manchmal hinterlassen solche Fehltritte wie Abtreibung auch solche Spuren, dass sich Frauen dauerhaft Vorwürfe machen und alle Schuld bei sich suchen (wobei, wie gesagt, oft die Schuld auch bei den (Ehe-)Partnern liegt, die gedrängt haben. Da diese „Fälle“ nicht selten sind, wird man mit biblischer Seelsorge zuweilen an medizinische Grenzen stoßen. Mit anderen Worten: Es kann ratsam sein, einen medizinischen Spezialisten zu Rate zu ziehen und vielleicht auch an einen solchen zu überweisen.

Leider gibt es, wie wir schon gesehen haben, viele weltliche Fachleute, die mit weltlichen und unbiblischen Methoden vorgehen. Wenn es um reine Medizin oder Psychiatrie geht, ist das weniger problematisch, als wenn es um Psychotherapien und Psychoanalyse geht. Hier liegt bei den angewendeten Methoden nahezu immer ein antichristliches und evolutionsgebundenes Weltbild vor. Daher ist hier sehr empfehlenswert, sich mit einem gläubigen Mediziner abzusprechen. Manchmal kennen sie Fachleute, die ebenfalls gläubig sind. Wenn wir hier weiterhelfen können, tun wir das gerne.

Kein Hirte sollte sich scheuen, solche Fachleute mit hinzuzuziehen. Es ist immer gut, die Grenzen des eigenen Handelns zu erkennen und dementsprechend zu handeln. Ein wunderbares Vorbild dafür ist Barnabas, auch wenn es hier nicht um eine medizinische Hilfe ging. In Apostelgeschichte 11 lesen wir, dass er in Antiochien tätig war. Er erkannte, dass seine Fähigkeiten das Bedürfnis dieser Geschwister nicht ausreichen stillen konnten. Daher suchte er Saulus, und als er ihn gefunden hatte, brachte er ihn nach Antiochien, damit Paulus dort zur Hilfe sein konnte. Das war keine Schwachheit von Barnabas – das war Größe, die für uns alle vorbildhaft ist.

5. Als Freund und Ansprechpartner dauerhaft zur Verfügung stehen

Ob es nötig ist, dass Fachhilfe hinzuzuziehen ist, oder ob wir Betroffenen im kleineren Kreis weiterhelfen können: Sie brauchen dauerhaft Ansprechpartner. Denn jemand, der ein Kind abgetrieben hat, wird – früher oder später – immer wieder mit Alpträumen und Selbstvorwürfen zu tun haben. Dann braucht eine solche Person Ansprechpartner, die Zeit haben zuzuhören und ermutigende Ratschläge zu geben.

Die Tatsache, dass jemand so gefallen ist, zeigt oft auch, dass er bislang keinen guten Freundeskreis hatte. Daher ist es gut, dass wir selbst als Freunde zur Verfügung stehen, aber zugleich auch einen Weg öffnen für gute Bekannt- und Freundschaften für solche Personen. Das ist keine leichte Aufgabe, weil sie Zeit und Energie nötig macht. Aber sie ist unabdingbar, um Betroffenen den Weg in die dauerhafte und vollständige Wiederherstellung zu ermöglichen. Ich wünsche jeder Betroffenen solche Freunde und Ratgeber – und uns, dass wir bereit sind, Zeit und Energie für solche Hilfe suchenden Personen zu investieren. Es lohnt sich, weil jede Freundschaft für beide Seiten segensreich ist.

Zum Schluss

Es gibt auch für jemanden, der abgetrieben hat, Vergebung. Gott nimmt jedes aufrichtige Bekenntnis an! Denn Er ist ein Gott der Vergebung: „Der Gottlose verlasse seinen Weg und der Mann des Frevels seine Gedanken; und er kehre um zu dem HERRN, so wird er sich seiner erbarmen, und zu unserem Gott, denn er ist reich an Vergebung“ (Jes 55,7). „Doch bei dir ist Vergebung, damit du gefürchtet werdest“ (Ps 130,4). Es ist sicher sehr viel Einfühlungsvermögens nötig, wenn man mit Personen zu tun hat, die unter den Folgen von Abtreibungen zu leiden haben. Sicher gilt das gleiche für den Umgang mit solchen, von denen wir mitbekommen, dass sie „ungewollt“ schwanger geworden sind.

Wenn Du in einer Notsituation stehst, in der Du überlegst abzutreiben, wende Dich bitte an einen einfühlsamen, entschiedenen Christen. Wir helfen auch gerne mit, nach einem Ausweg zu suchen. Aber begeh nicht diese tragische Tat der Abtreibung. Es gibt letztlich aus jeder existenziellen Not einen Weg mit Gott. Und falls dich noch das Gewissen und die Träume aus der Vergangenheit plagen, such einen geeigneten Kontakt, der mit Dir betet und Dir einerseits hilft, das Trauma zu verarbeiten, Dich andererseits auch dabei unterstützt, die Dinge mit Gott in Ordnung zu bringen.